Der Name verpflichtet

Der Name „Lehmann“ verpflichtet offenbar. Anders kann man die Ereignisse um Matthias Lehmann vom FC St. Pauli wohl kaum erklären. Nachdem Herr Lehmann seinen Gegenspieler de Carmago vom Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach recht unsportlich von den Beinen geholt hatte, sprang dieser wie von der Tarantel gestochen wieder auf und bewegte sich drohend auf Matthias Lehmann zu. Geistesgegenwärtig tat Herr Lehmann eine kleine Bewegung in Richtung des aufgebrachten Gegners, so dass sich die Köpfe der beiden Spieler kurz berührten. Und plötzlich stürzte Herr Lehmann zu Boden, als hätte einer der Klitschkos ihm drei krachende Haken gegen das Kinn gehauen. Die Folgen waren eine gelbe Karte für den Spieler Lehmann für sein initiales Foulspiel und ein Platzverweis für de Carmago.

Eigentlich hätte man damit alles bewenden lassen können. Schon hundertfach wurden so mittelmäßige Schauspieleinlagen von Fußballern abgeliefert mit dem Ziel, den Gegenspieler zu diskreditieren. Der wahre Aufreger kam nach dem Spiel. Matthias Lehmann gab in den obligatorischen Interviews freimütig zu, eine schauspielerische Einlage abgeliefert zu haben. Das sei ja auch natürlich, dass er gerade im Angesicht des Rückstandes „das Geschenk“ von de Carmago annehmen müsse und schon gar nicht beim Schiedsrichter auf Milde plädieren könne. Die verblüffende Ehrlichkeit hinsichtlich des eigenen unsportlichen Verhaltens löste große Wellen aus. BILD ist natürlich ganz vorn dabei und fordert gar eine Sperre des Spielers.

Warum eigentlich?

Matthias Lehmanns Aussage war sicherlich taktisch unklug, aber jeder hat gesehen, was da passiert ist. Dass seine Aktion unsportlich war, dazu bedurfte es keines Interviews. Was immer er gesagt hat, es ändert nichts an den offensichtlichen Tatsachen. Auch wenn man im Angesicht der Unsportlichkeit seiner Worte kotzen möchte – immerhin versuchte er nicht wie hunderte Profis vor ihm mit windigen Ausreden, die sein Vergehen noch schlimmer gemacht hätten. Ihn nun für diese dreiste Ehrlichkeit zu bestrafen mag zwar möglich sein, stellt aber die Frage, wie man zukünftig mit ähnlichen, genauso offensichtlichen Fällen umgehen möchte. Wenn die Fernsehbilder die Schwalbe bzw. das Schauspiel klar belegen, sperren wir dann zukünftig die Spieler? Wenn wir diese Frage mit „ja“ beantworten wollen, dann können wir gleich über den TV-Beweis wie beim Eishockey diskutieren. Ansonsten sollten wir das Eingeständnis des Herrn Lehmann so stehen lassen und die Entscheidung des Schiedsrichters unangetastet lassen.

Mein Tippergebnis war wieder einmal mittelprächtig. Vier richtige Tendenzen sind weder Fisch noch Fleisch.

Ergebnis 22. Spieltag: 4 Punkte

Vorjahresergebnisse: 3 / 7 / 1 / 1 (2009 / 2008 / 2007 / 2006)