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Die Rente ist sicher

Der kleine Norbert Blüm hat einst diesen fatalen Satz gesagt: „Die Rente ist sicher“

Man muss mit dem Wissen von heute davon ausgehen, dass dieser Satz schon damals eine Lüge bzw. eine bewusste Unklarheit war. Natürlich ist die Rente irgendwie sicher – einzig so unwichtige Rahmenbedingungen wie Höhe der Rente sowie der Bezugsbeginn scheinen extrem unsicher zu sein. Als ich ins Arbeitsleben trat, hatte ich die Hoffnung, mit 65 in Rente gehen zu können, aktuell soll es mit 67 dann doch klappen, aber ich gehe mal davon aus, dass ich eher mit 70 in Rente gehen darf. Und war das Rentenniveau beim Eintritt ins Arbeitsleben merklich über 50% des Arbeitsentgelts, sind wir inzwischen unter diese Marke gefallen, die Prognosen zu diesem Thema lassen nichts Gutes erahnen.

Warum erzähle ich diese Sachen?

Weil ich ein unschlagbares Angebot im Postfach hatte.

Ist ihre finanzielle Absicherung fürs Alter schon vorbereitet?

Mit der berechtigten Angst vor Altersarmut wird hier einmal mehr versucht, Daten abzugreifen, vielleicht sogar etwas Geld aus der Tasche zu ziehen. Leider wirkt die Sprache sogar ganz gut, so dass manche Nutzer diesen Angriff auf ihre Daten und ihr Geld für ein echtes Angebot halten könnten.

Dabei ist nur eins sicher: nichts ist sicher.

Europawahl 2024

Am 9. Juni ist Europawahl. Ich habe mein Kreuzchen schon längst gemacht. Man muss ja nicht über alles glücklich sein, was sich dort ziemlich weit weg vom Bürger überlegt wird, aber ein Mindestmaß an Einfluss sollte man schon versuchen zu nehmen. Denn im Gegenzug nehmen die europäischen Vorgaben immer mehr Einfluss auf unser aller Leben. Auch wenn natürlich viele Parteien und Politiker die EU mehr zur Selbstversorgung bzw. zum Wegloben mehr oder minder verdienter Mitglieder nutzen, so muss man erkennen, dass dieses Konstrukt enorm wichtig geworden ist.

Ich habe mal den Wahl-O-Mat genutzt, um zu sehen, ob ich mein Kreuz „richtig“ gesetzt habe. Dies sind die Parteien mit der größten inhaltlichen Übereinstimmung zu meinen Antworten.

Letzte Generation, BIG, ÖDP, DIE LINKE, Die PARTEI, PdF, V-Partei

Offen gestanden kann ich mit den meisten dort angegeben Parteien nichts anfangen, bei manchen wusste ich nicht einmal von ihrer Existenz (LETZTE GENERATION, PdF oder BIG) und finde sie teilweise (z.B. DIE LINKE) absolut NICHT unterstützenwert, aber zum Glück sind Datenbankabgleiche geduldig.

Am anderen Ende der Liste gibt es auch Parteien mit der geringsten Übereinstimmung. Das sieht recht gut und stabil aus.

Tierschutz hier, FDP, CDU/CSU, ABG, Heimat, PDV, AfD, Bündnis C

Dieses untere Bild könnt ihr gerne als NICHT-Empfehlung nutzen: wählt keine dieser Parteien, sie sind nicht gut für euch oder unser Land.

Sofern ihr also den letzten Absatz beherzigen wollt: geht wählen.

Rund um den DFB

Mensch, beim DFB war auf höchster Ebene, also bei der Nationalmannschaft der Herren, echt was los. Dann muss man sich ja schon ein wenig sortieren und fangen mit dem leichtesten Punkt an.

Fußball

Sportlich waren die letzten Tage hervorragend. Zwei Siege gegen gute Gegner sind nicht nur fürs Selbstbewusstsein der Mannschaft gut, sie heben auch die unterschwellig immer zum negativen tendierende Stimmung außerhalb des Teams enorm. Beide Siege waren absolut verdient, das Spiel der Mannschaft machte Spaß, auch wenn hier und da noch Fehler zu sehen war. Ganz offenkundig hat die Rückkehr von Toni Kroos Wirkung gezeigt. Fußballerisch waren die beiden Spiele also ein Erfolg auf ganzer Linie.

Trikot

Man glaubt ja gar nicht, wie sehr man mit einem Stückchen Stoff polarisieren kann. Während das Heimtrikot für die kommenden Monate im klassischen Design daherkommt, hat man als Auswärtstrikot ein pink-lila Hemdchen gewählt. Und das ganze Abendland läuft Sturm, das sei wahlweise „unmännlich“, „undeutsch“ oder einfach nur „zu woke“.

So richtig verstanden habe ich das Problem dabei nicht. Zuerst einmal ist dieses bunte Leibchen das Auswärtstrikot. Nach bisher abzusehendem Verlauf der EM wird es gar nicht zum Einsatz kommen müssen. Dass es nun im Spiel gegen die Niederlage getragen wurde, dürfte dem Hype geschuldet sein. So haben über 10 Millionen Menschen an den TV-Geräten das Trikot gesehen, wer weiß, wie viele davon nun den Geldbeutel öffnen.

Und dann bleibt die simple Feststellung: es ist nur ein Trikot. Diese Bekleidungsfunktion erfüllt das Stück Stoff offenbar, es scheint auch nicht beim Kicken zu hindern. Alles andere ist dazu doch völlig egal, außer den paar Fußballern wird niemand gezwungen, das Trikot zu tragen oder zu kaufen.

Erhobener Zeigefinger

Einen unnötigen Nebenschauplatz machte der Ex-Journalist Julian Reichelt auf, in dem er Antonio Rüdiger unterstellte, mit dem radikalen Islamismus zu sympathisieren. Auslöser war ein Posting des Verteidigers in den vermeintlich sozialen Medien, in dem der Spieler in irgendeiner religiösen Kluft den Zeigefinger hob und seinen Mitgläubigen irgendwelche Worte aus irgendeinem religiösen Anlass mitgab. Diesen erhobenen Zeigefinger meinte Reichelt als „IS-Finger“ identifiziert zu haben, was aber wohl eher nicht der Wahrheit entspricht. Scheinbar handelt es sich um eine religiöse Geste ohne bösen Hintergrund (wenn man die Religion selbst mal weglässt).

Reichelt ist inzwischen komplett abgedriftet und bewegt sich ganz weit rechts außen, da dürften dunkelhäutige Muslime als deutsche Nationalspieler kaum ins WeltBILD passen. Was genau er aber mit diesem Vorwurf bezwecken will, werden wir wohl eher nicht erfahren.

Standortpatriotismus

Eigentlich endet diese kleine Kolumne auch ganz einfach, auch wenn das viele Menschen bis in die höchsten Ämter nicht verstehen. Der DFB hat sich entschieden, zukünftig von der Firma Nike ausgerüstet zu werden. Die Firma Adidas hat das bisher gemacht, bekam aber diesmal nicht den Zuschlag. In den Medien liest man, dass Nike mit ca. 100 Millionen Euro pro Jahr ein mehr als doppelt so hohes Angebot abgegeben hat als der Konkurrent.

Wenn selbst der deutsche Wirtschaftsminister das kommentiert, indem er sich „Standortpatriotismus“ gewünscht hätte, schließlich sei Adidas eine deutsche Firma, während Nike eine US-amerikanische Firma ist, muss man kurz mal innehalten.

Mal davon ab, dass die Klamotten beider Marken wahrscheinlich im selben Komplex von Minderjährigen in Südostasien zusammengenäht werden, entbehrt sich die Forderung des Grünen (!) nach „Patriotismus“ jeglichem Verständnis von Verbands- und Vereinsrecht.

Der DFB hat ein erhebliches Finanzproblem entwickelt, die Gründe dafür sind vielfältig. Der Vorstand des Verbandes ist auch diesen Finanzen verpflichtet und muss das wirtschaftliche Überleben des DFB gewährleisten. In diesem Zusammenhang Mindereinnahmen von 50 Millionen Euro pro Jahr hinzunehmen, könnte Bernd Neuendorf und Co. als grobe Verletzung ihrer Pflichten gegenüber dem DFB ausgelegt werden, insbesondere im Falle einer Insolvenz. Dies könnte die Verantwortung der Führung über eine politisch-moralische hinaus zu einer veritablen juristischen machen. Daher war der DFB im Angesicht der deutlichen Angebotsunterschiede im Grunde gezwungen, das Angebot von Nike anzunehmen. Dieser Zusammenhang ist überhaupt nicht schwer zu verstehen.

Diese Verantwortung für das Handeln im Sinne der Organisation gibt es übrigens auch bei Kapitalgesellschaften, also durchaus dem Fachgebiet des Bundeswirtschaftsministers. Aber vielleicht ist das bei Politikern mit der Verantwortung für das eigene Handeln ein eher fremdes Thema. Robert Habeck kann dazu ja mal mit Andreas Scheuer sprechen. Der hat uns bekanntlich konsequenzlos eine Viertelmilliarde verbrannt. Das kann das DFB-Präsidium sich schlicht nicht erlauben, ohne Gefahr zu laufen, persönlich belangt zu werden.

Wie eingangs geschrieben: spannende Zeiten beim DFB.

Opferrolle rückwärts

Gil Ofarim hat nun (endlich) vor Gericht gestanden, dass seine Vorwürfe gegen das Westin Hotel Leipzig und dessen Mitarbeiter erstunken und erlogen waren. In einem tränenreichen Video hatte der Unterhaltungskünstler vor gut zwei Jahren behauptet, er sei aufgefordert worden, seinen an einer Kette hängenden Davidstern abzulegen, um bedient zu werden. Somit sei er antisemitisch beleidigt worden.

Diesen Vorwurf nahmen hunderte Menschen zum Anlass, vor dem Hotel zu protestieren, die Empörung war überall groß. Doch schon damals fiel mir (und viel zu wenig anderen) etwas ganz blödes in der Berichterstattung auf – alle, wirklich alle Berichte stützten sich ausschließlich auf das Instagram-Video des B-Promis. Nirgendwo brachte irgendeine Zeitung einen Zeugen oder andere erhärtende Indizien auf den Tisch.

So schrieb ich schon damals (05.10.2021 um 22:08) bei Twitter (nun X):

Ich bin gespannt, wie sich die Sache um das #WestinLeipzig entwickelt. Irgendwie finde ich für den Vorfall immer nur Berichte, die sich ausschließlich auf das Video des Geschädigten und auf dessen eigene Angaben stützen. Erscheint nur mir das etwas dünn? Oder suche ich falsch?
Ich bin gespannt, wie sich die Sache um das #WestinLeipzig entwickelt. Irgendwie finde ich für den Vorfall immer nur Berichte, die sich ausschließlich auf das Video des Geschädigten und auf dessen eigene Angaben stützen. Erscheint nur mir das etwas dünn? Oder suche ich falsch?

Tja – und nun ist dieses Kartenhaus endgültig zusammengebrochen, nachdem schon 2022 sich die juristische Lage für Herrn Ofarim gedreht hatte und er sich plötzlich auf der Anklagebank befand. So wurde aus der Opferrolle nun die Täterrolle. Man mag von einem Bärendienst für den Kampf gegen den Antisemitismus reden, aber das trifft es nur halb. Dass hunderte von Menschen vor Ort, abertausende in den vermeintlich sozialen Medien und unzählige echte Medien auf diesen dünn untermauerten „Vorfall“ angesprungen sind, sollte uns allen zu denken geben. Die dahintersteckende Empörungskultur ist ein Geschwür in unserer Gesellschaft, die sich mit empörenden Medien entziehen sich ihrer Verantwortung zur sachlichen Berichterstattung und stimmen ins Geheul mit ein und ignorieren damit die Faktenlage. Schnelle Klicks und Einschaltquoten sind halt wichtiger als sachlicher Journalismus.

Etwas mehr Entspannung auch bei sehr sensiblen Themen täte uns allen gut und hätte im konkreten Fall deutlich weniger verbrannte Erde hinterlassen. Aber das ist ja auch nicht in jedermanns Sinne.

Klare Agenda

Dass der FOCUS eine klare politische Agenda hat, die mit der Gesellschaft deutlich nach rechts driftet, ist ja nichts erwähnenswertes. Zwar ist man noch nicht beim AfD-Parteiblatt BILD angekommen, aber die Richtung ist eindeutig und ähnlich.

Und natürlich ist man verkehrspolitisch auch klar positioniert: am besten ändert man nichts.

Dazu bemüht der FOCUS selbstverständlich auch einen Helden längst vergangener Tage: Walter Röhrl, Rallye-Fahrer der 70er und 80er, darf im Video-Interview zu Tempolimit und E-Mobilität wüten. Das ist dann auch schon mal viel Platz auf der Internetseite wert, schließlich muss man seiner Agenda treu bleiben.

Wenn es nicht so durchsichtig wäre..

Kevin, der alte Trittbrettfahrer

Immer diese Trittbrettfahrer..

Kevin Kühnert, seines Zeichens Berufspolitiker, ist nun auch dahintergekommen, dass Twitter nicht mehr so toll und schon gar nicht hilfreich für seine Kommunikation ist. Also hat er seinen Account dort deaktiviert. Dass er nun wieder ein Stück zurückrudert und sich ein Hintertürchen lässt, ist verständlich, schließlich ist Kevin SPD-Generalsekretär. Als solcher legt man sich bekanntlich ungerne irgendwie fest und schon gar nicht dauerhaft.

Ich bin ja gespannt, ob nach Kevin noch weitere politische Trittbrettfahrer meiner Entscheidung folgen.

Brandenburg 2019

Am 1. September ist Landtagswahl in Brandenburg. Glücklicherweise wohne ich dort nicht, aber den zugehörigen Wahl-O-Mat habe ich spaßeshalber mal ausgefüllt. Etwas überrascht war ich, dass die klassisch regionalen Themen dabei nur nachrangig abgefragt wurden. Nur wenige Fragen waren klar auf das Bundesland gemünzt, die meisten hatten eine allgemeine Bedeutung, die man so auch in Sachsen, Bayern oder Bremen hätte stellen können.

Mein Ergebnis stimmt mich positiv.

Meine Zustimmung zu allen elf zur Auswahl stehenden Parteien bzw. deren Thesen.

Offen gestanden habe ich keinen Plan, ob die vorderen Plätze so gut passen, aber da ist ja auch vieles eng beisammen. Dazu ist eine Zustimmung von 67,1% nicht allzu hoch.

Viel erfreulicher ist, dass die AfD abgeschlagen ganz hinten in der Zustimmung liegt. Mein innerer Kompass funktioniert also noch.

Bundestagswahl 2017: Europa im Mittelpunkt

Neben „good ole“ Wahl-O-Mat gibt es diverse andere Tools, die dem unentschlossenen Wähler oder interessierten Nutzer einen Weg zeigen wollen, zwischen den vielen politischen Angeboten das richtige zu finden. Der Euromat fusst auf demselben Prinzip wie der „echte“ Wahl-O-Mat, allerdings beschränkt er sich auf Themen rund um den Komplex EU, Europa und die darauf aufsetzenden Fragestellungen. Das ist sicherlich ein interessantes Vorgehen, da die Zusammenarbeit auf europäischer und globaler Ebene unabhängig vom politischen Standpunkt in Zukunft immer wichtiger werden wird.

Also habe ich mich mal fleißig durchgeklickt und bekam folgendes Ergebnis:

Hier sieht der geneigte Leser auch gleich die größte Einschränkung des Euromats: er umfasst nur die Positionen der fünf gezeigten Parteien. Allein in NRW stehen aber achtzehn weitere Parteien auf dem Wahlzettel, die hier leider unerhört bleiben. Diese ausgeschnittene Sichtweise auf die Parteienlandschaft ist natürlich ein Stück weit undemokratisch und benachteiligend für die fehlenden Gruppierungen. Kleine Einschränkung: die Macher haben die AfD angefragt, diese hat sicher aber der Teilnahme verweigert.

Wer aber mit dieser Einschränkung leben kann, findet im Euromat eine interessante Ergänzung zur eigenen Meinungsfindung.

Bundestagswahl 2017: Endlich Wahl-O-Mat?

Heute wurde der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017 veröffentlicht. Nach dem Beantworten von ganz vielen Thesen zeichnet sich kein klares Bild ab.

ÖDP und Humanisten sind die einzigen Parteien, die mehr als 70% Übereinstimmung zu meinen Antworten haben, dahinter tummeln sich aber sehr viele Parteien mit etwa 2/3-Übereinstimmung.

Und dann kommt der Hinkefuss des Wahl-O-Mats: in den Kurzvorstellungen schreiben die Humanisten („Cannabis legalisieren“) und ÖDP („Gegen Schwangerschaftsabbrüche“) jeweils Positionen, die ich sehr deutlich anders sehe. Diese Abweichung wiegt für mich so schwer, dass die restliche Übereinstimmung wieder relativiert wird.

Fazit: ich bin nicht schlauer geworden. Die Wahlunterlagen liegen auf meinem Schreibtisch, aber der Wahl-O-Mat hilft mir nicht bei der Entscheidungsfindung. Ich werde wohl selbst nachdenken müssen.

Bundestagswahl 2017: Die Wahl der Qual

Im nächsten Monat steht sie wieder an, die alle vier Jahre stattfinde Wahl der Qual.

Spiegel Online hat gemeinsam mit abgeordnetenwatch.de ein interessantes Tool entwickelt, mit dem man seine Übereinstimmung mit den Direktkandidaten seines Kreises prüfen kann. Mein Ergebnis ist – nicht ganz unerwartet – ernüchternd. Bei keinem Kandidaten gibt es eine deutliche Übereinstimmung von Positionen.

Die Übereinstimmung von Positionen ist eher gering. Die FDP-Kandidatin hat wohl zu recht kein Bild abgegeben. Bisher wird im Wahlkreis auch nur mit dem Spitzenkandidaten und seinen viel zu klein gedruckten Sprüchen geworben.

Natürlich kann ein solches Tool nicht die durchdachte Wahlentscheidung abnehmen, aber einige interessante Einsichten in die Positionen und (Selbst-)Verständlichkeiten der Kandidaten gibt es schon. Dennoch: meine Wahl hat es nicht erleichtert. Ich weiß immer noch nicht, wen ich bei der Bundestagswahl wählen soll. Aber das ist wohl mein Schicksal als überzeugter Wechselwähler.