Vom Kranken- ins Irrenhaus

Christoph Daum, Beinahe-Nationaltrainer, ist zurück im deutschen Fußballgeschäft. Nachdem er zuvor noch in einer skurillen Pressekonferenz während seines Krankenhausaufenthalts dem FC aus Köln absagte, da die Gesundheit vorginge, scheint er nun plötzlich geheilt zu sein. Oder wie will man den plötzlichen Sinneswandel erklären?

Wenn man nun liest, dass Daum nicht in Harmonie mit der ursprünglichen Absage leben könne, dann fragt man sich doch nach den wahren Beweggründen für dieses Himmelfahrtskommando. Sportlich ist die Arbeit in Köln sicherlich unter dem, was Daum sicherlich an anderer Stelle hätte bekommen können. Als aktueller Zehnter ist der 1. FC noch lange nicht zurück in der Bundesliga, internationale Klasse haben bestenfalls die Ansprüche. Wenn man gleichzeitig sieht, wo überall bei den Bundesligavereinen Trainerstühle wackeln (Bochum, Gladbach, Hamburg oder, wenn es schon ein Karnevalsverein sein muss, Mainz), dann wird das Fragezeichen umso größer.

Klar, das Salär von geschätzten zwei Millionen Euro (oder mehr) ist nicht zu verachten, aber ich sehe Daums Beweggründe woanders. Nachdem er die Kölner Führungsriege geradezu vorgeführt hat, hat er sich die totale Kontrolle als Bedingung in den Vertrag schreiben lassen. Neben drei Neuzugängen in der Winterpause soll es im Aufstiegsfall gleich vier weitere garantiert geben. Eine Kölner Sparpolitik gibt es offenbar nicht. Wo andere Vereine sich finanziell konsolidieren, wirft Köln das Geld mit beiden Händen aus dem Fenster. Aber das hat Manager Meier in Dortmund ja auch schon gemacht. Aus Daums Sicht ist diese totale (finanzielle und administrative) Hingabe des 1. FC sicherlich schmeichelhaft und reizend, woanders hätte er die Bedingungen wohl kaum derart diktieren können.

Wenn das alles Erfolg hat: bitte sehr. Aber wehe, der Aufstieg wird verfehlt. Dann weht auch dem neuen Messias von Köln und seinen Freunden Overrath und Meier ein kalter Wind ins Gesicht. Denn durch die Verpflichtung Daum sind die Erwartungen der Kölner Dealer Fans noch mehr gewachsen. Und diese Erwartungen waren ja bisher schon nicht gerade klein.