Am Boden zerstört

Man könnte meinen, der Euro ist nichts mehr wert, die Arbeitlosenquote wäre auf 45% gestiegen oder die USA hätten eine Atombombe auf Mexiko-Stadt geworfen: die Stimmung ist am Boden. Hätte der Papst seine Verlobung bekannt gegeben, es hätte kein größeres Presseecho geben können: Michael Ballack kann bei der Fußball-Weltmeisterschaft nicht mitwirken.

"Ohne Ballack fahr´n wir zu WM" könnte man nun skandieren, doch zu ernst ist die Lage der Nation. Hatten wir uns doch bis zu dieser schrecklichen Nachricht nur Gedanken darüber gemacht, welchen Weg wir ins Finale nehmen würden, so droht jetzt offenbar schon das Aus in der Vorrunde. Der Gott in Weiß und Schwarz kann bestenfalls zur Stärkung der Moral nach Südafrika fahren, auf dem Rasen müssen nun irgendwelche Amateure ihr Glück versuchen. Von Klinsmann in einem Anfall von Sprachverwirrung "El Capitano" genannt, ist Ballack scheinbar der Einäugige unter den Blinden, der Gulliver unter den Zwergen oder einfach nur das Beste, was Deutschland fußballerisch zu bieten hat. Weit und breit ist kein Kicker zu sehen, der Ballack auch nur annähernd ersetzen könnte. Alle Diskussionen der vergangenen Wochen, welcher Stürmer mit zur WM fahren und welcher Torhüter den Gegner zur Verzweiflung bringen sollte, sind ad absurdum geführt. Eigentlich ging es doch nur um die Frage, welche Spieler sich in Ballacks Licht sonnen dürfen. Doch wenn die Sonne nicht mehr scheint, ist es egal, welche anderen Kicker im Regen stehen.

Armes Deutschland – trage es mit Fassung, dass dein bester, nein, einziger Kicker nun nicht Weltmeister wird.