Weniger Netto vom Brutto

Vor der Bundestagswahl 2009 war die FDP die einzige (größere) Partei, die auf Wahlplakaten mit „Mehr Netto vom Brutto“ etwas halbwegs Greifbares versprochen hat. Und unglaublicherweise gab es für den Normalverdiener wie mich am 1. Januar 2010 eine halbwegs angenehme Überraschung, als ich etwa 0,85% mehr Netto auf dem Lohnstreifen vorfand. Das ist nicht wirklich eine spürbare Erleichtung, denn die Teuerungsrate ist deutlich größer als diese Erleichtung und die Lohnsteigerungen gemeinsam. Trotzdem hätte man es als nettes Zeichen werten können..

Dumm nur, wenn inzwischen dank Änderungen im Gesundheitswesen, genau dieses Netto wieder sinkt. Ich gebe zu bedenken, dass der Gesundheitsminister Mitglied eben jener Partei ist, die uns Wählern mehr Netto vom Brutto versprochen hat.

Daher habe ich via Twitter die FDP gefragt, wie es denn mit dem damaligen Wahlversprechen steht.

@fdp_de – Wenn ich heute auf meine Lohnabrechnung schaue, frage ich mich, wo denn das 2009 versprochene mehr Netto vom Brutto geblieben ist.

Die Antwort kam einige Stunden später:

@elroyguess Zum Beispiel hier http://tinyurl.com/28hvhkw ..aber immer noch gilt: Sparen bleibt wichtigstes Ziel http://tinyurl.com

Natürlich ist es grundsätzlich schön, wenn Parteien versuchen, die Fragen von Bürgern zu beantworten, aber irgendwelche Werbestatements können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich inzwischen ohne Lohnerhöhungen weniger Netto vom Brutto hätte als vor der Wahl 2009. Es ist ja lobenswert, wenn die FDP versucht, durch Steuererleichterungen Spielraum für Steuerentlastungen zu schaffen (man beachte die vagen Formulierungen im Statement von Frau Homburger), aber irgendwelche Zielerklärungen helfen nicht, wenn man de facto weniger in der Tasche hat als vor dem Regierungsantritt der FDP.

Aber der Fakt „Weniger Netto vom Brutto“ dürfte momentan das geringste Problem der FDP sein.