Schaukampf

Der Boxkampf des Wladimir Klitschko gegen einen Herrn namens Eddie Chambers am gestrigen Abend hinterläßt bei mir in vielerlei Hinsicht einen faden Beigeschmack.

Wenn das gestern wirklich ein sportliches Kräftemessen um eine Weltmeisterschaft gewesen sein sollte, dann spricht das Bände für die Kräfteverteilung im Boxsport. Das Duell war derart ungleich, dass das viel strapazierte Wort "Klassenunterschied" die Situation kaum erfaßt. Herr Chambers lief respektvoll durch den Ring und war offensichtlich sehr beeindruckt von der Routine des Herrn Klitschko. Er ließ den Ukrainer gewähren, ohne selbst irgendeine Aktivität an den Tag zu legen. Wenn das also wirklich der Nummer-1-Herausforderer auf den Titel war, dann bleibt den Klitschkos wohl nichts anderes übrig, als mangels Qualität der Gegner in den Ruhestand zu gehen.

Andererseits hinterließ der Kampf den Eindruck einer perfekten Inszenierung. Bis zum KO kurz vor Ende des Kampfes war Klitschko zwar riesig überlegen, aber er machte auch über weite Strecken keine Anstalten, den KO wirklich zu suchen. Selbst der RTL-Reporter begann nach acht Runden mit Klitschkos Kampfstrategie zu hadern. Und als dann dramaturgisch perfekt wenige Sekunden vor Kampfende Herr Chambers umfiel, war die Freude wieder groß. Schließlich war dieser Verlauf für RTL nicht schlecht, konnte man doch so insgesamt elf Ringpausen mit Werbung füllen. Ein früherer KO hätte doch bestimmt einige Einnahmen gekostet. Insofern kam der KO sehr günstig – der TV-Sender freut sich, die Kampfstatistik des Herrn Klitschko wurde aufgebessert und die Zuschauer konnten glücklich heimgehen. Sowieso hatte man Herrn Klitschko gut inszeniert, kommt er doch aus "Hamburg, Kiew und Los Angeles". So bedient man alle wichtigen Märkte.

Vielleicht sollte Herr Klitschko demnächst mehr Wert auf sportliche Aspekte legen. Schaukämpfe wie das Spektakel gegen Herrn Chambers sind auf lange Sicht langweilig.