Rückblick zum Rücktritt

Lieber Horst Köhler,

war das wirklich notwendig?

Unbestritten waren Ihre Aussagen zu der Motivation von Bundeswehreinsätzen mindestens politisch ungeschickt, wenn nicht gar unnötig provokant. Auch Ihre Versuche, das Gesagte nachträglich abzumildern, wirkten unbeholfen und unglaubwürdig. Allerdings dürfen auch dem Bundespräsidenten solche kommunikativen Fehlgriffe passieren, das ist wahrlich kein Grund, die Brocken hinzuwerfen.

Inhaltlich haben Sie sich in meinen Augen nichts vorzuwerfen. Sicherlich ist das Thema heikel, der Zeitpunkt ungünstig und die Unzweideutigkeit der Aussage nicht zu verdrängen. Aber gerade ein Bundespräsident, der unbequem sein möchte, muss auch ein Thema ansprechen dürfen, dass die Gesellschaft an die Grenzen von Moral und Werten führt. Das haben Sie in dieser Deutlichkeit vielleicht nicht gewollt, eventuell waren Ihnen die Konsequenzen Ihrer Aussagen nicht sofort klar, aber schlimm finde ich das nicht.

Dass aber Ihre Aussagen Kritik hervorrufen würden, hätte Ihnen klar sein müssen, kaum, dass die Worte Ihre Lippen verlassen haben. Sie sind ja nicht, wie viele Kommentatoren Ihnen nun unterstellen, ein politikunerfahrener Mensch, sondern haben in Ihrer langen Karriere durchaus das politische Parkett kennengelernt. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass weder der Papst noch der Bundespräsident als unfehlbar und über den Dingen schwebend angesehen werden. Das hätten Sie als volksnaher Präsident wissen können und müssen. All das zusammengenommen, hätte Sie die Vehemenz der Kritik nicht überraschen sollen. Sie haben nun einmal etwas gesagt, das keine Mehrheitsmeinung ist.

Und bei aller Kritik an den Inhalten Ihrer Äußerungen und an der Art und Weise Ihres Vortrags habe ich doch nie etwas gehört oder gelesen, das völlig unangemessen gewesen und Sie persönlich oder Ihr Amt angegriffen hätte. Harte Kritik gab es, aber die müssen Sie aushalten können – in diesen Zeiten und bei diesem Thema.

Ich glaube, Herr Köhler, Ihr Rücktritt war unnötig.

Unnötig und schade.