Quote mit dem Trauma

Leider kommt man in diesen Stunden und Tagen nicht um die Berichterstattung zum Drama im Liebestunnel um die Loveparade herum. Sicherlich sind die Umstände dieses Unglücks ungeheuerlich, der Umgang der Veranstalter und Behörden nahezu skandalös.

Aber was mich viel mehr wundert: jeder Fernsehsender, ja sogar die Lokalzeitungen, finden irgendwelche Menschen, die als "Augenzeugen" des Dramas präsentiert werden. Dabei gibt es zwei Kategorien: da sind die Wichtigtuer, die sich zufällig im Großraum Duisburg aufgehalten haben und nun endlich mal ins Fernsehen wollen. Solange es halt Freier gibt, wird es auch Huren geben.
Und dann gibt es da diejenigen, denen man auch über das Fernsehen den Schock über die tragischen Ereignisse ansieht. Letztere vor die Kamera zu holen, finde ich schlimm. Da werden schockierte, psychisch sehr angeschlagene Menschen vor die Kamera gestellt, ihnen ein Mikrofon vor den Mund gehalten, um dann mit stammelnden, verzweifelten Menschen Quote zu machen. Das hat nichts mehr mit Information der Menschen zu tun, das ist nur noch zynisch.

So gut die Berichterstattung vielerorts ist, überall machen die Sender und Zeitungen Quote mit dem Schicksal von schwer traumatisierten Menschen gemacht. Das kotzt mich an.