NRW-Wahl 2010: Wen soll ich wählen? – Wahltag

Heute ist Wahltag. Gegen Mittag werde auch ich meinen Astralkörper zum Wahllokal bewegen und meine Stimme abgeben. Doch es geht mir wie vielen meiner Leser in den letzten Tagen. Die Frage "Wen soll ich wählen?" bewegt mich.

Erschwert wird die Entscheidung durch die Auswirkung des Wahlergebnis´ auf die Bundespolitik. Würde die aktuelle Regierung unter Herrn Rüttgers abgewählt, verlöre die Bundesregierung ihre Mehrheit im Bundesrat. Die Folge wäre eine unerträgliche Konsenspolitik, unter der unser Land schon lange genug gelitten hat. Ich bin der Meinung, dass es durchaus Sinn macht, wenn ein Lager in der Lage ist, seine Politikvorstellungen unverwässert umzusetzen, auch wenn man die Ausrichtung selbst nicht mag. Ständige Kompromisse führen zu keinem vernünftigen Ergebnis, weil es in vielen Fragen keinen Mittelweg gibt.

Unter diesem Gesichtspunkt müßte ich ja irgendwie die aktuelle Landesregierung unterstützten, was aber auch nicht so leicht von der Hand geht. Zum einen ist da die Kehrseite der oben genannten Situation. Zwar mag es gut sein, wenn ein Lager seine Vorstellungen ungehindert durchsetzen kann, aber wenn man sieht, wie träge und wenig zielgerichtet die Merkel-Regierung bis jetzt gearbeitet hat, scheint es nicht gerade erstrebenswert, diesen Menschen freie Hand zu lassen. Ich erinnere mich mit Grauen an die Lobby-Steuersenkung für Hotelübernachtungen. Davon will ich nicht mehr erlebern.

Zum anderen hat sich Herr Rüttgers z.B. durch die Verkäufe von Gesprächen oder durch die Überwachung seiner Konkurrentin nicht gerade für eine weitere Amtszeit als Landesvater qualifiziert. Es ist von meinem Gefühl her nicht so, dass die bisherigen Ergebnisse der Landesregierung eine Wiederwahl besonders rechtfertigen. Damit habe ich zwar nichts über meine Vertrauen in die Opposition auf Landesebene geschrieben, aber meine Zwickmühle ist vorhanden.

Ich weiß lediglich, dass mein Kreuz ganz bestimmt nicht neben DIE LINKE stehen wird. Dieser bunte Haufen aus Seelenfängern und Frustrierten kann zwar hervorragend alles kritisieren, aber vernünftige Vorschläge, die auch realpolitisch umsetzbar wären, habe ich weder gehört noch gelesen. Dafür wird der NRW-Landeswahlkampf mit Bundesthemen wie Hartz IV bestritten. Als gäbe es in NRW nicht genug Landesthemen..

Wie auch immer meine Entscheidung am Stimmzettel ausfallen wird, ich kann nur jeden auffordern, wählen zu gehen. Demokratie lebt von der Teilhabe. Und Wahlen sind momentan die einzig echte direkte Teilhabe, die man als Bürger hat, wenn man nicht selbst in Gremien oder Parteien aktiv sein möchte.

Es ist egal, ob ihr links oder rechts, grün oder gelb oder wie auch immer wählt. Ob ihr Exoten wie der Partei bibeltreuer Christen oder Massenparteien wie der CDU eure Stimme geht, ist völlig gleich. Selbst das Ungültigmachen des Stimmzettels ist hundertmal besser als daheim zu bleiben, weil es immerhin eine Aussage ist. Wer nicht wählen geht, stimmt letztlich immer dem Ergebnis zu und kann sich folglich auch nicht beschweren.

Deshalb macht es wie ich: auch wenn die Wahl wirklich schwer fällt – geht wählen.