Lehrling Klinsmann gescheitert?

Eine gewisse Schadenfreude wird ein großer Teil von Fußball-Deutschland dieser Tage nicht verbergen können, denn die beiden sehr deutlichen Niederlagen gegen Wolfsburg und Barcelona haben den FC Bayern München erschüttert. Dem Verein mit der eingebauten Überheblichkeit und dem Anspruch, zu den führenden Klubs in Europa zu gehören, wurden in beiden Spielen seine sportlichen Grenzen aufgezeigt.

Jetzt mag man die fußballtypische Ausrede von den fehlenden Stammkräften anführen, doch mag ich solche Ausreden nicht, egal, ob sie aus dem Süden Deutschlands kommen oder aus Dortmund. Auch wenn Klose oder Lucio unbestritten sehr gute Spieler sind, so sind die Ersatzleute nicht minder gute Kicker. Diese Reservisten werden für ihr Fußwerk ebenfalls fürstlich bezahlt, so dass man als Fan durchaus ent- und ansprechende Leistungen erwarten darf.

Oberflächlich verantworlich für die Misere des FC Bayern sind sicherlich taktische und strategische Fehlleistungen des Trainerstabs. Gut, das ist sicherlich sehr einfach, wenn nicht sogar zu einfach. Aber unstrittig ist doch, dass der Trainerstab um Jürgen Klinsmann für die gezeigte Leistung auf dem Platz die Verantwortung trägt. Und die gezeigte Leistung ist gerade in den momentanen Entscheidungsphasen leider miserabel. Dafür zeichnet sich der Trainer auf jeden Fall verantwortlich, wäre es doch seine Aufgabe gewesen, die Spieler körperlich, taktisch und psychisch auf die heißen Wochen der Saison vorzubereiten. Das ist nach bisherigem Stand mißlungen und dafür steht der Trainer gerade.

Die tatsächliche Schuld ist aber woanders zu suchen. So sehr man Klinsmann und seinem Stab in die Verantwortung nehmen kann, so sehr muss man auch diejenigen befragen, die sich überlegt haben, Herrn Klinsmann als Trainer zu verpflichten. So wie die Bundesregierung bei der Suche nach einem neuen Bahnchef nicht bei einem lokalen Taxiunternehmen oder an den Unis gesucht hat, so wenig sollte man erwarten, dass Rummenige, Hoeneß und Co. ihren Spitzenverein einem Anfänger in die Hände geben. Aber genau das hat man in München getan. Man hat einen soliden Verein in die Verantwortung eines Trainerlehrlings gelegt. Zwar war Jürgen Klinsmann zwei Jahre mit insgesamt eher durchschnittlichem Erfolg Teamchef der Nationalmannschaft, aber einen Verein vom Format des FC Bayern hat er noch nie trainiert. Genaugenommen hat Klinsmann die tägliche Vereinsarbeit vorher nicht praktiziert. Und wer seinen gut funktionierenden Verein einem Lehrling übergibt, der sollte sich nicht wundern, wenn das Ergebnis am Ende leider nicht so gut ist. Schließlich erwartet man ja auch kein Gesellenstück, sondern ein Meisterwerk.

Sollte also in diesen Tagen Herr Klinsmann sich in das Heer der Arbeitslosen einsortieren müssen, wäre es nur richtig, auch mal die Riege um Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenige oder Uli Hoeneß zu hinterfragen. Denn diese Herren tragen die wahre Schuld am mangelnden Erfolg des FC Bayern.