Jedem das Seine

"Jedem den Seinen" – diesen Werbespruch haben Tchibo und Esso nun zurückgezogen, da er als Abwandlung von "Jedem das Seine" die Gefühle der ca. 100 000 Juden in Deutschland verletzen könnte. Schließlich stand der Originalspruch als "Motto" an der Tür des KZ Buchenwald. Entsprechend künstlich groß ist die Empörung der üblichen Verdächtigen. Auf demselben Weg wurden schon Nokia und Rewe in ihre Werbeschranken verwiesen, die den im wahrsten Sinne des Wortes uralten Rechtsleitspruch für ihre Zwecke verwenden wollten.

Ich hoffe nur, dass nicht jeder Ausspruch, der je von einem Nazi in den Mund genommen bzw. verwendet wurde, demnächst moralisch verpönt ist. Das könnte unsere Sprache deutlich ärmer werden lassen. Ein gewisses Fingerspitzengefühl darf man nicht nur von den Werbetreibenden erwarten, auch die "moralischen Instanzen" müssen die Sinnhaftigkeit mancher Bewertung überdenken. Besonders im vorliegenden Fall könnte ich mir gut vorstellen, dass maximal (!) 15% der Bevölkerung überhaupt vom Mißbrauch des Ausspruches durch die Nazis wußten. Wieviele davon diesen Spruch tatsächlich als nationalsozialistisches Gedankengut einstufen würde, wage ich nicht abzuschätzen – die Zahl dürfte enorm klein sein. Im Fall von "Arbeit macht frei" sieht das freilich anders aus, aber ich kann mich nicht erinnern, dass dieser Spruch zu Werbezwecken eingesetzt werden sollte.

In diesem Sinne: Jedem das Seine – mir das Meiste.