Hauptsache in den Schlagzeilen

Manche Nachrichten muss man zweimal lesen, bis man sie versteht..

Wenn der Zentralrat der Juden nicht an der Gedenkfeier für die Opfer des Holocausts teilnimmt, weil bei vorherigen Veranstaltungen dieser Art die Vorsitzenden der Vereinigung nicht als Überlebende des Holocaust begrüßt wurden, mutet diese Argumentation schon fast kindischtrotzig beleidigt an. Das muss man als normal denkender Mensch nicht verstehen, schließlich haben die Damen und Herren bisher kritiklos an derartigen Veranstaltungen teilgenommen und sich dabei auch gerne ablichten lassen. Dieses plötzliche Kränkungsgefühl hat wohl die gesamte Öffentlichkeit auf den falschen Fuß erwischt, denn mit diesem divenhaften Verhalten mußte und konnte niemand rechnen. Es sei auch die Frage erlaubt, ob dieses Mimosentum der Sache an sich zuträglich ist. Ich fürchte eher nicht, denn in der öffentlichen Wahrnehmung gerät der Anlass der Gedenkfeier in den Hintergrund im Angesicht dieses schwer nachvollziehbaren Ego-Trips. Besonders schlimm an dieser Nachricht ist, dass man bei der weltpolitischen Großwetterlage mit relativ geringem Gedankenaufwand sicherlich auf einige gute Begründungen käme, der Feierlichkeit aus Protest fernzubleiben.

Aber auch für die Vertreter einer religiösen Minderheit ist es wohl wichtig, regelmäßig Schlagzeilen zu haben. Da ist die Art der zugehörigen Meldung wohl eher egal. Verrückte Welt.