Doping im Fußball

Fußball-Deutschland diskutiert in diesen Tagen über den Fall zweier Kicker des Überraschungsteam aus Hoffenheim. Die beiden jungen Herren hatten es versäumt, im Anschluss an das sportliche Gastspiel in Mönchengladbach direkt zur Abgabe der Dopingprobe zu gehen. Stattdessen sind sie erst zehn Minuten später nach einer Mannschaftsbesprechung zum Dopingarzt gegangen. Nun droht den beiden Spieler eine mindestens einjährige Sperre sowie dem Verein ein nachträglicher Verlust des Spiels am grünen Tisch. Entsprechend groß ist die Aufregung.

Dabei scheint der allgemeine Tenor zu sein, dass die Auslegung der Vorschriften zu penibel gehandhabt wird und der Gladbacher Protest gegen die Spielwertung nur boshafte Korinthenkackerei ist. So hat keiner der vielen Sportfunktionäre, die sich zu Wort gemeldet haben, auch nur geringeste Zweifel an der durch die verspätete Dopingprobe ermittelte Unschuld der Spieler.

Warum eigentlich nicht? Doping im Fußball scheint es de facto nicht zu geben, allerdings kann ich das kaum glauben. Fußball ist ein Millionengeschäft, in dem einzelne Spiele über das finanzielle Schicksal eines Vereins entscheiden können. Für den einzelnen Spieler können besondere Leistungen in Schlüsselspielen der Garant für hohe Prämien und besser dotierte Folgeverträge sein. Und da will uns Deutschlands Fußball-Elite erzählen, es sei abwegig, dass Spieler oder ganze Vereine dopen?

Dazu kommt natürlich noch das klare Wissen um die Regeln. Alle Beteiligten haben sich entschlossen, die Dopingkontrollen mitzumachen und zu unterstützen, jeder Verein hat einen Anti-Doping-Beauftragten, der u.a. für die korrekte Abwicklung der Kontrollen zu sorgen hat. Wenn also die Regel besagt, dass ein Spieler unmittelbar und ohne Verzögerung nach dem Verlassen des Spielfelds zur Dopingkontrolle zu gehen hat, dann ist dem Folge zu leisten. Der Anti-Doping-Beauftragte des Vereins weiß von diesem Termin und den betroffenen Spielern ca. eine Viertelstunde vor Spielende, so dass es eigentlich keine gute Entschuldigung für das verspätete Erscheinen zur Dopingkontrolle gibt. Denn auch wenn ich kein Arzt bin, so könnte ich mir durchaus vorstellen, dass man in zehn Minuten irgendeine Manipulation (z.B. Fremdurin oder sauberen Urin in die Blase füllen) durchführen kann. Von daher ist ein verspätetes Erscheinen schon ein fragwürdiges Erscheinen. Und da es in anderen Sportarten bei Nicht-Erscheinen zur Dopingkontrolle Sanktionen gibt, sollte es beim Fußball nicht anders sein.

Leider ist Doping im Fußball ein wenig beachtetes Thema. Die wenigen Dopingfälle der letzten Jahre wurden durch seltsame Begründungen (dem Sohn das Asthmaspray erklärt, Mittel gegen Glatzenbildung benutzt..) abgeschwächt und als Einzelfälle heruntergespielt. Auch der Fall der beiden Hoffenheimer Spieler zeigt, dass man im Fußball nicht die rechte Lust verspürt, konsequent den Kampf gegen Doping aufzunehmen. Ich fürchte, dieser Fall der verspäteten Doping-Kontrolle wird enden wie das Vergehen des Schachspielers Vassily Ivantschuk bei der Schachoplympiade in Dresden. Dieser war nach seiner Partie am wartenden Doping-Kontrolleur vorbeigestürmt und hatte so die Dopingprobe verweigert. Im Nachhinein fand sich noch irgendein Formfehler, um den Ukrainer nicht für zwei Jahren vom Wettbewerbszyklus auszuschließen. Es bleibt zu befürchten, dass hinter den Kulissen auch schon irgendeine milde Bestrafung ausgehandelt wurde, damit der Fall schnellstmöglich zu den Akten gelegt werden kann.