Vor dem Fußball

Bevor es demnächst wieder viele Artikel zum Thema „Fußball“ gibt, will ich noch was über die zu Ende gehende Weltmeisterschaft in unserem Land schreiben. Da heute das Finale der „Frauen-WM“ ist, werfe ich mal meine Gedanken zum deutschen Abschneiden in den Ring.

Vorweg muss man feststellen, dass die deutsche Mannschaft völlig verdient ausgeschieden ist. Die Vorrundenspiele der Frauen waren keine Werbung für den Fußball. Es gab viel Krampf, sehr viele Fehler und keinerlei sinnvolle Spielzüge. Konnte man in der Vorrunde trotz dieser Defizite noch Erfolge feiern, verlor das Team von Frau Neid gegen Japan dann folgerichtig, weil man keine durchdachten Offensivaktionen zeigen konnte.

Die Gründe für dieses Scheitern sind sicherlich vielfältig. Es mag ein ungünstiger Zufall gewesen sein, dass die Kapitänin passend zur WM außer Form war. Davon war nicht nur das Spiel auf dem Platz betroffen, auch drumherum entstanden ärgerliche Diskussionen, die die Konzentration schwächten.

Diskutabel ist bestimmt auch die vorzeitige Vertragsverlängerung der Trainerin. Sicherlich sollte Herr Zwanziger eine Wiederholung der Situation um Herrn Löw vermeiden und verlängerte gleich um bis 2016 mit der gelernten Fleischereifachverkäuferin. Inwieweit diese Sicherheit vielleicht zu einer Abschächung der Erfolgsorientiertheit geführt hat, muss man hinterfragen. Taktische Fehler und der Umgang mit dem Problem „Birgit Prinz“ sollte durchaus der Ausgangspunkt sein, die weitere Karriere von Silvia Neid genau zu beobachten und ihre Position in Frage zu stellen.

Aber letztlich denke ich, dass der Hauptgrund für das klägliche Scheitern der DFB-Frauen der enorme Druck auf die Mannschaft war. Man muss sich einfach vor Augen halten, dass die Damen sonst kaum mediale Aufmerksamkeit geniessen und sonntags vor ca. 1000 Besuchern kicken. Sie führen ein weitgehend normales Leben, nicht einmal alle können vom Fußball leben, „ausgesorgt“ haben wahrscheinlich nur zwei oder drei der DFB-Frauen. Und plötzlich sind diese ganz normalen Frauen im Mittelpunkt des Interesses, müssen Interviews geben, sehen sich von Paparazzis verfolgt und „müssen“ Weltmeister werden. Diese unbewohnte, aber vom DFB forcierte Situation wird viele Spielerinnen derart belastet haben, dass eine Hemmung der Leistung die Folge war.

Hier darf der DFB sich fragen lassen, inwieweit er es verpaßt hat, die Frauen auf dieses Spektakel vorzubereiten. Auf der Schlachtplatte des Kommerz haben Zwanziger und Co. die jungen Spielerinnen geopfert, in der Hoffnung, aus dem Produkt Frauenfußball mehr Geld zu pressen. Das hätte bei entsprechenden Erfolge auch gut gehen können, eventuell gar mit einem aus DFB-Reihen geforderte TV-Vertrag für die völlig uninteressante Frauen-Bundesliga. Leider hat das Opfer seine Wirkung verfehlt.

Unterm Strich wird der Frauenfußballkick in Deutschland genauso wahrgenommen wie vor der Frauen-WM: die Bundesliga interessiert kaum jemanden, der Nationalmannschaft schenkt man etwas Interesse. Wobei diese Sympathien nach den Auftritten bei der WM auch schwinden dürften.

Wie auch immer: freuen wir uns wieder, dass es bald wieder Fußball gibt.