Balla-Ballack

Im leeren Raum zwischen Bundesliga und Frauen-WM braucht die Fußballwelt Diskussionsstoff, den der Bundestrainer durch eine Pressemitteilung beim DFB besorgt hat. Er plane zukünftig nicht mehr mit dem ehemaligen Kapitän Michael Ballack, so die Botschaft seiner Nachricht. An der Form der Nachricht und dem damit verbundenen Angebot, das Freundschaftsspiel gegen Brasilien als Abschiedsspiel zu nutzen, nahm Herr Ballack Anstoß und kritisierte den DFB scharf. Vielmehr habe man ihm eine Möglichkeit zur Rückkehr in den Dress des DFB signalisiert. Und so begann ein Kindergartenkrieg..

Wenn man die Situation nüchtern betrachtet, ist die Sache doch recht einfach. Wahrscheinlich wird nicht mal Michael Ballack selbst ernsthafte Hoffnungen auf eine Rückkehr als feste Größe in der Nationalmannschaft gehabt haben. Nicht nur sein inzwischen fortgeschrittenes Fußballeralter steht ihm im Wege, in den letzten Jahren fiel er häufiger wegen Verletzungen aus, so dass er seit einigen Jahren nie über einen längeren Zeitraum auf sportlich hohem Niveau Leistung abgeliefert hat. Das sollte aber die Voraussetzung sein, um regelmäßig in die Nationalmannschaft berufen zu werden. Dazu kommt die gereifte Erkenntnis, dass Michael Ballack der Nationalmannschaft sportlich nicht mehr weiterhelfen kann. Spätestens die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr hat gezeigt, dass das Team ohne Herrn Ballack erfolgreich und attraktiv spielen kann.

Warum Bundestrainer Löw und der DFB jetzt plötzlich Handlungsbedarf sehen, ist – unabhängig von irgendwelchen Absprachen zwischen Ballack und Löw – unverständlich. Gerade in der fußballlosen Zeit drängt das Thema nicht, stillschweigend war der Öffentlichkeit und auch allen Beteiligten klar, dass Michael Ballack nicht mehr zum Stammpersonal der Nationalmannschaft gehören würde. Das gesondert zu betonen war unnötig, das Angebot, aus einem Test- ein Abschiedsspiel zu machen, wirkt aufgesetzt. Denn gerade ein Testspiel gegen ein Top-Team wie Brasilien sollte genutzt werden, aktuelle Spieler und Talente zu testen, eine Ummünzung zum Abschiedsspiel wertet den Erkenntnisgewinn enorm ab. Man hätte das Thema mindestens bis zur nächsten Länderspielphase aussitzen können. Hinter den Kulissen hätte man Ballack einen freiwilligen Verzicht nahelegen können, wenn man denn ein friedliche Trennung gewollt hätte. Und hätte man das Thema medienwirksam und offensiv klären wollen, dann wäre der richtige Zeitpunkt im vergangenen Jahr nach der WM gewesen, als Ballack und Lahm sich öffentlich um die Kapitänswürde stritten.

Ballacks Reaktion ist verständlich, die Form aber ebenso untragbar wie die der DFB-Erklärung. Ballack hätte die Chance gehabt, durch eine besonnene Kritik unter Verweis auf seine unzweifelhaft erfolgreiche Zeit in der Nationalmannschaft den weiteren Ablauf zu lenken. Ich denke, es ist unstrittig, dass ein verdienter Spieler wie Ballack einen würdigen Abschied verdient hat. Von daher hätte Ballack die Chance gehabt, sich einen vernünftigen Rahmen für seinen Abschied zu erhandeln. Stattdessen zog er es vor, den Ton zu verschärfen und eine Schlammschlacht vom Zaun zu brechen.

Schade, dass Michael Ballack im Spätherbst seiner Karriere nicht die notwendige Weisheit besitzt, mit Würde und Anstand auf die Verlautbarung des DFB zu reagieren. Aber immerhin haben wir so Diskussionsstoff.