Fußball und Integration

Vor einiger Zeit ließ sich unsere Bundeskanzlerin mit dem deutschen Nationalspieler Mesut Özil ablichten. Mit solchen Musterbeispielen1 für gelungene Integration2 läßt man sich als Spitzenpolitikerin ja gerne abbilden, besonders, wenn in diesen Tagen eine heiße Diskussion um Mitbürger mit Migrationshintergrund und deren Integration geführt wird. Besonders am Punkt "Sprache" machen viele Politiker die unbestreitbar vorhandenen Probleme im Zusammenleben fest. Herr Özil ist da als Spitzenfußballer auch ein leuchtendes Beispiel, spricht er doch fließend Deutsch, was man ja nicht von allen in Deutschland geborenen Kindern von Einwanderern behaupten kann.

Allerdings sollte man bei aller Vorbildfunktion des Herrn Özil die Negativbeispiele nennen. Gestern Abend gab der Frankfurter Kicker Theofanis Gekas dem ZDF ein Interview. Auch nach vier Jahren als Fußballprofi in Deutschland (mit einem halben Jahr Unterbrechung) mußte der 30-jährige Gekas einen Dolmetscher bemühen. Die Botschaft ist klar: man braucht die deutsche Sprache nicht zu beherrschen, um hier arbeiten und leben zu können. Das mag ja auf Herrn Gekas sogar zutreffen, sendet aber an all jene ein schlechtes Signal, die vor der Frage stehen, ob sie für ihr Leben hier unsere Sprache erlernen sollen. Obwohl: die gucken ja kein ZDF..

Vor fast drei Jahren habe ich auch schon einmal über das Beispiel des Miroslav Klose geschrieben, der seinen Kinder polnisch erzieht, schließlich gibt es ja den Kindergarten zur Sprachvermittelung. Aber mit Herrn Klose hat sich Frau Merkel ja nicht ablichten lassen..

1 Ohne Mesut Özil falsche Motive unterstellen zu wollen: in seinem Beruf als Fußballprofi mag es eher vorteilhaft sein, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Während seine Alternative – die türkische Mannschaft – eher wechselhaft spielt, können die Deutschen zuletzt einige gute Ergebnisse und Erfolge vorweisen. Und wenn man an solchen Erfolgen mitgewirkt hat, steigert das den eigenen Marktwert enorm und führt eventuell zu besser dotierten Verträge. Letzteres hat Herr Özil nach der WM eindrucksvoll untermauert, indem er von Werder Bremen zu Real Madrid gewechselt ist.

2 Mesut Özil ist in Gelsenkirchen geboren. Nur mal so als Anmerkung.