Von Jahr zu Jahr ein neues Gesicht

Während die Fußball-Nationalmannschaft auf zweifelhafter Werbetour durch sportliches Ödland ist, bietet die Bundesliga genug Diskussionsstoff.

Nachdem in Köln Christoph Daum gekündigt hat, um in der Türkei für mehr Geld um Titel mitzuspielen, sind es nun zehn Vereine, die zu Saisonbeginn 09/10 einen anderen Trainer als zu Beginn 08/09 auf der Bank sitzen haben werden, ohne dass das so geplant gewesen wäre.

In Wolfsburg hat Felix Magath trotz Meisterschaft seinen Vertrag aufgelöst, um ins Mittelmaß zu Schalke 04 zu wechseln. Dort hat man nach dem gescheiterten Fred Rutten das Interims-Trio um Mike Büskens wieder degradiert. Der FC Bayern startet hoffnungsvoll mit Jürgen Klinsmann in die Saison. Nachdem dieses Experiment in die Hose gegangen war, übernahm zwischenzeitlich Jupp Heynckes, der aber zur neuen Saison wieder Rentner sein wird.

Beim VfB Stuttgart brauchte es den Wechsel von Armin Veh zu Markus Babbel, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen, während  der Trainerwechsel in Gladbach nur mit Ach und Krach als erfolgreich zu bezeichnen ist. Dass der Trainer Meyer trotz Klassenerhalt und Vertrag nun das Handtuch wirft, spricht Bände. In Frankfurt hingegen verlängerte man erst den Vertrag von Friedhelm Funkel, um nun noch mit einem neuen Trainer in die WM-Saison zu gehen. Da mutet es ja schon fast normal an, dass nach dem Abstieg in Cottbus zur neuen Saison eine Stelle als Übungsleiter frei wird.

Kurios mutete der Aktionismus in Bielefeld an, wo der Sportsfreund Frontzeck vor dem letzten Spieltag die Papiere bekam. Man hätte Geld darauf setzen sollen, dass es der Trainer für ein Spiel, Jörg Berger, auch nicht erfolgreicher gestalten würde. Überraschender war da der Abschied von Martin Jol aus Hamburg, der trotz einer unterm Strich sehr ordentlichen Saison seinen Vertrag auflöste, um gen Amsterdam zu ziehen.

Zu den zehn Vereinen, die innerhalb eines Jahres den Trainer wechselten, könnten sich noch Leverkusen und Bochum gesellen, deren Trainer wohl anderswo sehr begehrt sind. Auch der Bremer Schaaf ist trotz seiner Treue zum Verein immer wieder Objekt von Spekulationen. Und schlußendlich gibt es auch einige Stimmen, die dem Sportskameraden Favre in Berlin keine große Zukunft prophezeien. Sollte nur zwei dieser Optionen eintreten, hätten zwei Drittel aller Bundesligisten innerhalb eines Jahres den Trainer getauscht.

Auch wenn man sich als Fan daran gewöhnt hat, dass die Position des Trainers die unsicherste im ganzen Konstrukt ?Fußball-Verein? ist, so ist die momentane Fluktuation sehr überraschend. Der Trainer als Aushängeschild des Vereins möchte ich nicht beschwören, doch denke ich, dass Kontinuität auf dieser Stelle für die Vereine eine Chance ist, die Identifikation der Fans mit dem Verein sicherzustellen.

Vor allem zeigen diese vielen Trainerwechsel aber eins: in vielen Köpfen ist ein Anspruch entstanden, der mit der Realität nicht mehr vereinbar ist.